Sales Tipps für Vertriebsprofis – Sascha Kronberg

Champion Building im B2B-Deal: So baust du deinen internen Fürsprecher auf

Geschrieben von Sascha Kronberg | Jul 13, 2026 8:34:20 AM

Dein bester Kontakt beim Kunden ist vielleicht kein Champion. Er ist ein Fan.

 

Ich habe einen Deal verloren, der eigentlich gewonnen war. Bestes Produkt, bestes Angebot, beste Beziehung — vermeintlich. Und dann kam das Budget-Meeting, und niemand hat für uns gesprochen.

 

Der Unterschied zwischen einem Champion und einem Fan ist nicht Sympathie. Es ist politisches Kapital. Ein Fan sagt "great idea" — und tut nichts. Ein Champion sagt in einem Raum, in dem du nicht anwesend bist: "Das brauchen wir."

 

Laut Forrester's 2026 State of Business Buying umfasst eine typische komplexe B2B-Kaufentscheidung heute 13 interne Stakeholder und 9 externe Influencer. Du kannst diese 22 Personen nicht alle selbst überzeugen. Einer muss das für dich tun.

 

FAQ
  • F: Was ist ein Champion im B2B-Vertrieb?
  • A: Ein Champion ist ein interner Anwalt beim Kunden, der mindestens einmal politisches Kapital für deinen Deal eingesetzt hat. Er hat dich in einem Raum verteidigt, in dem du nicht dabei warst. Er kämpft dafür, deine Position im Budget zu halten. Alles andere — sympathische Kontakte, freundliche Ansprechpartner — sind Fans, keine Champions.
  • F: Wie viele Stakeholder sind heute in einem B2B-Deal involviert?
  • A: Laut Forrester's 2026 State of Business Buying sind es im Durchschnitt 13 interne Stakeholder und 9 externe Influencer — also 22 Personen, die an einer komplexen Kaufentscheidung beteiligt sind. Das ist der Grund, warum ein einzelner Champion entscheidend ist: Du kannst nicht alle 22 selbst überzeugen.




Warum die meisten Verkäufer keinen echten Champion haben

 

Ich höre es regelmäßig in Trainings: "Wir haben eine gute Beziehung zu Herrn X bei dem Kunden." Dann frage ich: "Hat Herr X schon mal in einem internen Meeting für euch gesprochen, wenn ihr nicht dabei wart?"

 

Stille.

 

Fan vs. Champion — der entscheidende Unterschied

 

Fan

Champion

Gibt positive Rückmeldungen

Setzt seine Reputation ein

Sagt "Ich finde das gut"

Sagt "Das brauchen wir" im Vorstandsmeeting

Teilt Informationen mit dir

Kämpft im Budget-Meeting für dich

Ist nett am Telefon

Probt den internen Pitch mit dir

Knickt bei Gegenwind ein

Hält deinen Deal-Posten bei Budgetkürzungen



Ein Champion setzt tatsächlich etwas ein — seine interne Glaubwürdigkeit. Wer das nicht tut, ist ein wertvoller Kontakt. Aber kein Champion.

 

Warum das 2026 wichtiger ist als je zuvor

 

Buying Committees werden größer. Sales Cycles werden länger. Laut den Win Rate Benchmarks von Ebsta × Pavilion 2025 haben sich Sales Cycles seit 2022 um 22 Prozent verlängert — einer der Hauptgründe ist die wachsende Zahl interner Entscheider.

 

Du wirst in den entscheidenden Budget-Meetings nicht dabei sein. Jemand muss dort für dich sprechen. Die Frage ist: Wer? Und hat dieser jemand tatsächlich die Bereitschaft und das politische Kapital, das zu tun?

 

Siehe auch Artikel 15 — Buying Group: Wenn mehr als einer entscheidet

 

FAQ
  • F: Was ist der Unterschied zwischen einem Champion und einem Coach im B2B-Deal?
  • A: Ein Coach liefert Informationen — er erklärt dir, wie der interne Prozess läuft, wer die Entscheider sind, was die letzten Vendor-Entscheidungen beeinflusst hat. Ein Champion spendet politisches Kapital — er verteidigt deinen Deal aktiv im internen Prozess. Viele wertvolle Coaches sind keine Champions. Beides brauchst du, aber nur der Champion entscheidet über deinen Deal.
  • F: Wie erkenne ich, ob mein Kontakt ein echter Champion ist?
  • A: Durch die drei Tests (siehe unten). Wer alle drei Tests vermeidet oder nur oberflächlich beantwortet, ist ein Fan. Wer aktiv handelt, Risiko eingeht und unangenehme Details teilt, ist ein Champion.




Die Lösung: Die drei Tests und das Champion-Kit

 

Test 1: Meeting vorab briefen lassen

 

Bitte deinen Kontakt, eine andere Person vor deiner nächsten Präsentation zu briefen. Konkret: "Kannst du vor unserem Termin am Donnerstag kurz mit Frau Müller sprechen und ihr erklären, warum das Thema für ihre Abteilung relevant ist?"

 

Champion-Verhalten: Macht es. Berichtet zurück mit konkreten Details.

Fan-Verhalten: Sagt "Super Idee" — und erwähnt es nie wieder.

 

Praxisbeispiel

Ein IT-Sicherheitsanbieter bat seinen Ansprechpartner beim Kunden, vor dem Steering-Committee-Meeting den CISO kurz zu briefen. Der Ansprechpartner sagte zunächst "kein Problem." Am Tag des Meetings war der CISO unvorbereitet. Der Deal lief noch drei Monate — ohne jemals das Budget-Komitee zu überzeugen.

 

Test 2: Nach dem echten Buying Process fragen

 

Nicht nach dem Organigramm fragen. Nicht nach dem schönen Procurement-Diagramm. Sondern nach dem wirklichen Prozess: "Wer kann diesen Deal intern still torpedieren? Aus wessen Budget wird das bezahlt? Was hat den letzten externen Anbieter gekostet?"

 

Champion-Verhalten: Erzählt die unangenehmen Details.

Fan-Verhalten: Bleibt bei offiziellen, oberflächlichen Antworten.

 

Wenn dein Kontakt die unangenehme Wahrheit mit dir teilt, vertraut er dir — und er riskiert etwas, wenn er falsch liegt. Das ist das Zeichen eines Champions.

 

Test 3: Internen Pitch live proben

 

Bitte deinen Kontakt: "Lass uns mal gemeinsam durchgehen, wie du das deinem Vorgesetzten erklären würdest. Ich spiele mal den kritischen CFO."

 

Champion-Verhalten: Macht das Rollenspiel. Nimmt Feedback an.

Fan-Verhalten: Verschiebt es zweimal. Findet nie statt.

 

Wer den internen Pitch nicht proben will, wird ihn auch nicht halten. Dein Deal stirbt im Committee.

 

Artikel 10 — Business Case erstellen: So überzeugst du den CFO

 

Das Champion-Enablement-Kit

 

Der häufigste Fehler nach dem Champion-Test: Du weißt jetzt, wer dein Champion ist — aber du gibst ihm kein Werkzeug, um in Räumen für dich zu sprechen, in die du nie kommst.

 

Das Kit muss klein sein. Dein Champion ist beschäftigt und ungeübt im Pitch für deinen Deal. Keine 40-seitige Case Study. Drei Elemente:

 

1. Five-Slide Internal Deck:

  • Problem (als Frage formuliert, die der Entscheider selbst stellt)
  • Cost of Inaction (was passiert, wenn nichts gemacht wird — in Euro)
  • Deine Lösung (in einem Satz, der das Problem direkt adressiert)
  • Proof (eine echte Referenz, kein Logo-Wall)
  • Ask (was soll als nächstes passieren — konkret und terminiert)

 

2. Boss Objection Cheat Sheet:

Vier bis fünf Fragen, die der Vorgesetzte stellen wird — mit je einer Ein-Satz-Antwort, die dein Champion auswendig sagen kann. Nicht drei Absätze. Ein Satz.

 

3. ROI One-Liner:

Ein einziger Satz, der dein Produkt mit einer Zahl verbindet, die der Entscheider bereits kennt. Beispiel: "Mit diesem System reduziert ihr die manuelle Berichtszeit von 8 Stunden auf unter 45 Minuten pro Woche."

 

Wenn dein Champion den ROI-One-Liner nicht auswendig wiederholen kann, ist er zu kompliziert.

 

FAQ
  • F: Wie bitte ich meinen Champion um konkrete Hilfe, ohne aufdringlich zu wirken?
  • A: Konkret und spezifisch fragen, nicht vage. Schlecht: "Kannst du uns intern gut dastehen lassen?" Gut: "Könntest du vor Donnerstag Priya in zwei Sätzen erklären, warum das Thema für ihre Renewals-Quote relevant ist? Sie vertraut deinem Urteil." Eine klare, kleine Bitte ist respektvoller als eine vage große.
  • F: Was tue ich, wenn ich keinen klaren Champion habe?
  • A: Sofort multithreaden. Alle drei Tests mit mehreren Kontakten durchführen. Gleichzeitig: im Discovery Call aktiv nach internen Anwälten fragen — "Wer in Ihrem Unternehmen würde dieses Problem am stärksten spüren, wenn es nicht gelöst wird?" Diese Person ist dein potenzieller Champion.




Häufige Fehler beim Champion Building

 

Fehler 1: Den freundlichsten Kontakt als Champion betrachten