Sales Tipps für Vertriebsprofis – Sascha Kronberg

Champion Enablement: So verkauft dein Champion intern

Geschrieben von Sascha Kronberg | Aug 4, 2026, 12:37:06 PM

Dein Champion darf nicht nur nett sein

 

„Mein Kontakt findet uns richtig gut.“

Das ist ein Anfang. Kein Beweis.

Ich erinnere mich an einen Deal, bei dem der Ansprechpartner jede Demo mochte. Er stellte kluge Fragen. Er antwortete schnell. Ich hielt ihn für unseren Champion. Dann kam der interne Termin. Er war nicht dabei. Und unser Business Case existierte nur in meinem Kopf.

Der Deal starb nicht an einem Wettbewerber. Er starb daran, dass niemand unsere Wertargumentation intern weiterverkaufen konnte.

Champion Enablement bedeutet: Du gibst deinem Champion Material, Klarheit und einen kleinen Auftrag. Er muss die Lösung vertreten können, wenn du nicht im Raum bist. Sonst hast du einen Fan. Keinen Champion.

 
FAQ
  • F: Was ist Champion Enablement?
  • A: Champion Enablement bedeutet, einen internen Fürsprecher so auszustatten, dass er deinen Business Case, den ROI und den nächsten Schritt innerhalb seiner Organisation vertreten kann.
  • F: Woran erkenne ich einen echten Champion?
  • A: Ein echter Champion liefert konkrete interne Informationen, öffnet Türen und übernimmt kleine Aufgaben. „Alle finden es interessant“ reicht nicht.

 

Warum Champion Enablement im B2B entscheidend ist

 

In komplexen B2B-Verkäufen sitzt du selten bei jeder Entscheidung am Tisch. Dein Champion muss den Wert erklären, Risiken einordnen und die Buying Group zusammenbringen. Martal beschreibt in einem 2026er Leitfaden genau diese Rolle: Der Champion muss die Lösung vertreten, wenn der Anbieter nicht anwesend ist.

Der Beitrag nennt außerdem Praxisdaten aus HubSpot-, Gong- und Gartner-Verweisen. Dazu gehören eine Gong-Analyse von 1,8 Millionen Opportunities und die Beobachtung, dass gewonnene Deals mehr Käuferkontakte enthalten als verlorene. Diese Zahlen solltest du als im Martal-Beitrag wiedergegebene Quellen einordnen, nicht als eigene Studie von Martal.

 

Dein Champion ist dein interner Verkäufer

Der Champion verkauft nicht deine Funktionen. Er verkauft eine Entscheidung. Dafür braucht er eine klare Antwort auf vier Fragen:

  • Welches Problem lösen wir?
  • Was kostet der Ist-Zustand?
  • Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt?
  • Was muss intern passieren, damit der Soll-Zustand erreicht wird?

Wenn du ihm nur ein Produktdeck gibst, zwingst du ihn, die Wertargumentation selbst zu bauen. Das passiert selten unter Zeitdruck.

 

Ein guter Kontakt kann trotzdem kein Champion sein

 

Sympathie ist kein Einfluss. Schnelle Antworten sind kein Einfluss. Ein Champion zeigt Verhalten. Er bringt eine weitere Person in den Call. Er leitet deinen Business Case weiter. Er erklärt dir, wer blockiert und warum. Er kennt den Budgetzyklus.

Der stärkste Test ist klein: Bitte ihn, einen konkreten internen Schritt zu machen. Nicht zehn. Einen.

 

Der Economic Buyer braucht andere Argumente

 

Der Fachbereich will bessere Abläufe. Der Economic Buyer will Planbarkeit, Marge, Risiko und Kapitalwirkung. Der technische Entscheider will Integration und Sicherheit. Procurement will transparente Bedingungen.

Ein Champion Enablement-Paket muss diese Perspektiven abdecken. Sonst bleibt deine Lösung in der Komfortzone des Erstkontakts hängen.

Interne Weiterleitbarkeit ist ein Qualitätskriterium

Kann dein Champion deine E-Mail mit einem Satz an den CFO weiterleiten? Kann die Führungskraft in fünf Minuten verstehen, warum das Thema relevant ist? Wenn nicht, ist dein Business Case zu kompliziert.

 
FAQ
  • F: Wie unterscheidet sich ein Champion vom Economic Buyer?
  • A: Der Champion treibt die Entscheidung intern voran. Der Economic Buyer kann Budget freigeben oder stoppen. Eine Person kann beide Rollen haben, oft sind es jedoch unterschiedliche Menschen.
  • F: Wie früh sollte ich einen Champion testen?
  • A: Früh. Der Martal-Leitfaden empfiehlt, den Champion innerhalb der ersten drei Wochen mit einem kleinen internen Auftrag zu prüfen.

 

Die Lösung: Ein Sell Kit für deinen Champion

 

Ein Champion braucht kein 40-seitiges Deck. Er braucht ein internes Sell Kit, das schnell verstanden und weitergereicht werden kann.

 

Baustein 1: Der einseitige Business Case

Auf die erste Seite gehören:

  1. Problem und Ist-Zustand
  2. Kosten des Nichtstuns
  3. vorgeschlagener Soll-Zustand
  4. erwarteter ROI oder wirtschaftlicher Effekt
  5. Investition und Amortisationslogik
  6. nächster Entscheidungsweg

Schreibe mit den Zahlen des Zielkunden. Nicht mit deinen Standardwerten. Wenn eine Annahme fehlt, markiere sie als Annahme.

 

Praxisbeispiel: Business Case für den CFO

„Heute verliert das Team laut deiner Angabe etwa 20 Stunden pro Monat durch manuelle Angebotsnacharbeit. Bei einem internen Stundensatz von 65 Euro entspricht das 15.600 Euro pro Jahr. Der vorgeschlagene Prozess kostet 24.000 Euro. Bei vollständiger Realisierung liegt die rechnerische Amortisationsdauer unter 19 Monaten. Offene Annahme: tatsächliche Nutzungsquote im ersten Halbjahr.“

So kann der Champion mit Zahlen sprechen. Ohne übertriebene Versprechen.

 

Baustein 2: Die Antwort auf „Warum jetzt?“

Dringlichkeit darf nicht aus deinem Quartalsziel kommen. Sie muss aus der Organisation des Zielkunden kommen. Nutze einen konkreten Trigger: neue Führungskraft, Expansion, regulatorische Frist, Budgetrunde oder Prozesswechsel.

Formuliere einen Satz: „Der Zeitpunkt ist relevant, weil …“ Danach folgt die Konsequenz des Wartens.

 

Baustein 3: Der faire Alternativenvergleich

Nenne drei Optionen: bestehender Ist-Zustand, interne Lösung und dein Vorschlag. Der Ist-Zustand gehört ausdrücklich in den Vergleich. „Nichts tun“ ist die häufigste Konkurrenz.

Bewerte Zeit, Risiko, Kosten, Umsetzungsaufwand und erwarteten Nutzen. Ein fairer Vergleich stärkt die Glaubwürdigkeit des Champions. Er muss nicht so tun, als sei deine Lösung automatisch die einzige vernünftige.

 

Baustein 4: Zwei passende Referenzen

Eine Referenz soll vergleichbar sein: ähnliche Branche, ähnliche Größe, ähnlicher Prozess. Nenne Ergebnis und Zeitraum. Vermeide Superlative.

„Ein Kunde war begeistert“ hilft intern nicht. „Das Team reduzierte die Bearbeitungszeit von sieben auf vier Tage innerhalb von sechs Monaten“ ist prüfbarer. Nutze nur echte, freigegebene Daten.

 

Schritt 1: Den Champion mit einem kleinen Auftrag testen

Bitte um eine konkrete Handlung: „Kannst du den Business Case bis Mittwoch an deine Führungskraft weiterleiten und mir sagen, welche Frage zurückkommt?“ Oder: „Wer aus Security muss beim nächsten Termin dabei sein?“

Der Auftrag zeigt dir, ob dein Champion intern aktiv wird. Eine Antwort wie „Alle fanden es spannend“ ist keine Information. Eine Antwort wie „Finance fragt nach Payback, IT blockiert wegen der Schnittstelle und der Budgetzyklus öffnet am 1. Oktober“ ist Champion-Verhalten.

 

Schritt 2: Eine interne Weiterleitung vorbereiten

Schreibe eine E-Mail, die dein Champion fast unverändert weiterleiten kann. Betreff: „Vorschlag zur Reduzierung der Angebotsnacharbeit“. Erster Satz: Problem. Zweiter Satz: wirtschaftlicher Effekt. Dritter Satz: nächster Schritt.

Keine Produktgeschichte. Keine zehn Links. Kein Unternehmensporträt.

 

Schritt 3: Den Champion nicht allein lassen

Nach einem Gespräch mit weiteren Stakeholdern bekommt der Champion ein kurzes Update. Was wurde gehört? Was ändert sich? Was ist der nächste interne Schritt? Der Martal-Leitfaden empfiehlt dafür kurze Updates von wenigen Minuten.

Du schützt damit die Beziehung und machst deinen Champion nicht zum Zuschauer seines eigenen Deals.

 

Schritt 4: Die Buying Group nach Rollen versorgen

Der Nutzer braucht Prozessnutzen. IT braucht Integrations- und Sicherheitsklarheit. Procurement braucht kommerzielle Transparenz. Der Economic Buyer braucht Business Case, ROI und Risiko.

Ein Dokument für alle ist bequem, aber selten wirksam. Erstelle eine Kernbotschaft und kurze rollenspezifische Belege.

 

Schritt 5: Den Champion transparent umgehen, wenn es nötig ist

Wenn der Champion nach zwei konkreten Bitten keine Tür öffnet, sprich offen darüber. „Es klingt, als müsste der Economic Buyer einbezogen werden. Möchtest du uns vorstellen oder soll ich Kontakt aufnehmen und dich in Kopie setzen?“

Nie heimlich. Sonst machst du aus einem passiven Kontakt einen aktiven Blocker.

 
FAQ
  • F: Wie lang soll ein Champion-Sell-Kit sein?
  • A: So kurz wie möglich. Ein einseitiger Business Case, eine kurze Weiterleitungs-E-Mail, ein fairer Alternativenvergleich und zwei passende Referenzen reichen als Basis.
  • F: Welche Zahl gehört in den Business Case?
  • A: Die Zahl, nach der der Economic Buyer fragt: Kosten des Ist-Zustands, erwartete Wirkung, Investition, Amortisationsdauer und Annahmen.
  • F: Was mache ich, wenn der Champion keine internen Aufgaben übernimmt?
  • A: Prüfe, ob er nur interessiert ist. Frage konkret nach einem kleinen Auftrag. Wenn nach zwei Versuchen keine Bewegung entsteht, baue transparent weitere Kontakte auf.

 

Häufige Fehler beim Champion Enablement

 

Fehler: Nur den Champion überzeugen

Ein Champion ohne Material kann intern nicht verkaufen. Begeisterung muss in eine weiterleitbare Entscheidungshilfe übersetzt werden.

 

Fehler: Das Produktdeck als Business Case ausgeben

Features erklären, was du anbietest. Der Business Case erklärt, warum der Kunde handeln sollte. Vermische beides nicht.

 

Fehler: Den Ist-Zustand nicht beziffern

Ohne Kosten des Nichtstuns wirkt der Preis isoliert. Nutze Zeit, Risiko, Umsatz, Marge oder Kapazität. Markiere Annahmen offen.

 

Fehler: Den CFO erst am Ende einplanen

Wenn Budget und Entscheidungskriterien spät auftauchen, wird der Deal fragil. Der Champion braucht früh Klarheit über Genehmigungsweg und Wirtschaftlichkeit.

 

Fehler: Interne Stakeholder gleich ansprechen

Die Buying Group hat unterschiedliche Fragen. Eine Fachbotschaft an Procurement wirkt so unpassend wie ein Vertragstext im Discovery Call.

 

Fehler: Den Champion heimlich umgehen

Transparenz ist kein Hindernis. Sie schützt Vertrauen und verhindert, dass dein Kontakt den Deal aus Selbstschutz blockiert.

 
FAQ
  • F: Was ist der häufigste Champion-Fehler?
  • A: Ein freundlicher Kontakt wird als Champion behandelt, obwohl er nie intern handelt. Prüfe Verhalten statt Sympathie.
  • F: Muss der Champion bei jedem Stakeholder-Termin dabei sein?
  • A: Nicht zwingend. Aber er sollte informiert bleiben und wissen, welche interne Aufgabe als Nächstes ansteht.

 

Fazit & nächster Schritt

Ein Champion ist kein Fanclub-Mitglied. Er ist ein interner Verkäufer. Damit er diese Rolle ausfüllt, braucht er einen klaren Business Case, eine Antwort auf „Warum jetzt?“, passende Belege und einen kleinen Auftrag. Deine Lösung muss intern funktionieren, auch wenn du nicht dabei bist.

Dein nächster Schritt: Nimm eine aktive Opportunity. Schreibe eine einseitige interne Entscheidungshilfe mit Ist-Zustand, Kosten des Wartens, ROI, Annahmen und nächstem Schritt. Bitte deinen Champion, sie innerhalb von 48 Stunden weiterzuleiten. Seine Reaktion zeigt dir die Wahrheit.

 
FAQ
  • F: Wie teste ich Champion Enablement sofort?
  • A: Gib deinem Champion einen kleinen, datierten Auftrag. Bitte um Weiterleitung des Business Case oder um eine Einführung. Prüfe danach die konkrete Reaktion, nicht nur das allgemeine Interesse.
  • F: Was ist ein gutes Ergebnis?
  • A: Ein Name, eine Frage, ein Termin oder ein Budgetsignal. Konkrete interne Bewegung ist wertvoller als positives Feedback.

 

Weiterführende Artikel

Quellen
  • Martal: How to Sell to Decision Makers: 2026 Access Playbook — 2026er Leitfaden; ein explizites Veröffentlichungsdatum ist auf der Seite nicht ausgewiesen.