Sales Tipps für Vertriebsprofis – Sascha Kronberg

Cold Calling Timing: Wann du anrufst, entscheidet

Geschrieben von Sascha Kronberg | Jul 2, 2026 5:44:11 AM

Du rufst zum falschen Zeitpunkt an.

 

Ich sage das nicht aus der Luft gegriffen. Ich sage es, weil eine Studie mit 175.000 ausgewerteten Dials es beweist.

 

Freitag oder Mittwoch — gleicher Script, gleiche Liste, gleicher Verkäufer. Der Unterschied in der positiven Terminrate: fast das Doppelte. Wer Freitag anruft, arbeitet mit der halben Ausbeute.

 

Das ist kein kleiner Optimierungseffekt. Das ist der Unterschied zwischen 20 und 40 Terminen im Monat — bei identischer Dial-Anzahl.

 

FAQ

 

  • F: Wann ist die beste Zeit für einen Cold Call?
  • A: Laut der Belkins-Studie (175.000+ Dials, 2025) sind Mittwoch zwischen 15 und 16 Uhr sowie ein sekundärer Peak um 18 Uhr die besten Zeitfenster. Der beste Wochentag ist Mittwoch (0,95% positive Outcome Rate), gefolgt von Montag (0,77%). Freitag ist mit 0,51% der schlechteste Tag.
  • F: Gilt das auch für DACH?
  • A: Die Belkins-Studie enthält explizit Daten aus Deutschland. Europäische Märkte zeigen generell höhere Connect Rates als der US-Schnitt — in Deutschland und anderen europäischen Märkten liegt die Live-Contact-Rate bei 12–16% gegenüber 9% in den USA.




Was die Daten wirklich zeigen

 

Die Belkins Cold Calling Benchmarks Studie (2026) ist eine der bisher detailliertesten Auswertungen von echten Outbound-Dials. 175.000+ Anrufe, ausgewertet nach Connect Rate, Conversation Rate, Meeting Rate, Wochentag, Uhrzeit, Seniority und Geografie — darunter explizit Deutschland.

 

Funnel-Baseline: Was "normal" wirklich bedeutet

 

Bevor wir Timing besprechen, brauchst du den richtigen Maßstab:

 

  • 9,9% aller Dials erreichen eine live Person
  • 58% der Connects werden zu echten Gesprächen
  • 4,6% der Gespräche enden in einem gebuchten Termin
  • Ergebnis: 1 Termin pro 370 Dials

 

Das klingt ernüchternd. Aber es ist die Baseline — nicht deine Decke. Timing, Seniority-Wahl und Sequenz-Design verschieben diese Zahlen erheblich.

 

Der wichtigste Engpass ist laut Belkins nicht, dass jemand abnimmt. 58% der Connects werden Gespräche. Das eigentliche Problem: nur 4,6% dieser Gespräche werden Termine. Wer mehr Termine will, muss nicht mehr anrufen — er muss besser konvertieren.

 

Siehe auch Artikel 40 — Prospecting-KPIs: Die Zahlen, die wirklich zählen

 

Timing-Effekte: die Zahlen im Detail

 

Wochentag Positive Outcome Rate
Mittwoch 0,95%
Montag 0,77%
Donnerstag 0,72%
Dienstag 0,61%
Freitag 0,51%

 

Mittwoch schlägt Freitag fast 2:1. Das bedeutet: Bei gleicher Dial-Anzahl und gleichem Pitch bekommst du mittwochs fast doppelt so viele Termine.

 

Zeitfenster:

 

Uhrzeit Positive Outcome Rate
15:00–16:00 Uhr 1,05–1,22%
18:00 Uhr 1,47% (Sekundär-Peak)
09:00–11:00 Uhr 0,65–0,83%

 

Die "Power Hours" morgens zwischen 9 und 11 Uhr haben das höchste Dial-Volumen — aber nicht die beste Conversion. Nachmittags ist die Qualität höher, auch wenn weniger Leute am Hörer sitzen.

 

FAQ

 

  • F: Warum konvertieren die klassischen Morgenstunden schlechter?
  • A: Vormittags haben viele Entscheider Meetings, Planungsrunden und volle Kalender. Nachmittags — besonders 15–16 Uhr — sind viele zwischen Terminen und haben eine Minute Zeit für ein unerwartetes Gespräch.
  • F: Ist der 18-Uhr-Peak verlässlich oder ein Ausreißer?
  • A: Laut Belkins ist 18 Uhr ein konsistenter sekundärer Peak. Erklärt wird das durch Entscheider, die nach regulären Meeting-Zeiten nochmal ans Telefon gehen — oder Home-Office-Situationen, in denen die Grenze zwischen Arbeits- und Privatzeit fließt.




Der Sommer-Effekt: Anrufen, aber anders

 

Eine der überraschendsten Erkenntnisse aus der Belkins-Studie: Der Sommer ist kein Connect-Problem. Er ist ein Meeting-Problem.

 

Juli hatte die höchste Connect Rate des gesamten Jahres: 12,5% — aber gleichzeitig die niedrigste Meeting-Buchungsrate: 2,7%. Im Vergleich: Februar 8,9%, Mai 8,5%.

 

Prospects gehen in der Sommerpause ans Telefon — aber sie committen sich nicht zu Kalendereinträgen. Das bedeutet konkret für deinen Sommer:

 

  • Mehr Gespräche sind möglich — nutze das für Relationship Building
  • Erwarte weniger gebuchte Termine — der KPI-Druck sollte im Juli/August angepasst werden
  • Setze auf Follow-up-Signale: 19% der Nicht-Buchungen wollten einen Follow-up — im Sommer besonders wertvoll

 

Praxisbeispiel

 

Ein Vertriebsteam läuft im Juli mit normalen Terminzielen — und frustriert sich kollektiv, weil die Conversion trotz hoher Connect Rates einbricht. Die Lösung: Im Juli wird das Ziel von "Termin buchen" auf "qualifiziertes Gespräch führen + Follow-up vereinbaren" umgestellt. Gespräch gilt als Erfolg, wenn ein konkretes Datum für den Rückruf im Kalender steht. Ergebnis: Team-Motivation bleibt hoch, Pipeline für September wird aufgebaut.

 

Siehe auch Artikel 3 — Blowout: Die Follow-up-Frequenz, die Termine bringt

 

Seniority: Wen du anrufst, verändert alles

 

Nicht nur Timing und Wochentag — auch die Hierarchieebene hat massiven Einfluss:

 

Seniority Live Contact Rate Besonderheit
Manager/Lead-Level 11,1% Höchste Erreichbarkeit
VPs 7,3% Mittlere Erreichbarkeit
C-Level Keine Buchung live Nur Follow-up via E-Mail/Phone
Directors Höchste Meeting-Buchungsrate Bestes End-Ziel für Cold Calls

 


Das ist eine wichtige Verschiebung vom "Ruf immer den CEO an"-Mythos: C-Level geht zwar ans Telefon — bucht aber nie direkt einen Termin im Call. C-Level-Outcomes waren in der Studie ausnahmslos Follow-up-Anfragen via E-Mail oder Rückruf.

 

Directors dagegen — also Abteilungsleiter, Bereichsverantwortliche — buchen den höchsten Anteil tatsächlicher Meetings. Sie haben Entscheidungsgewalt, aber noch Erreichbarkeit. Das macht sie zum idealen First-Call-Ziel.

 

Praxisbeispiel

 

Ein SDR ruft ausschließlich C-Level an — weil sein Manager sagt "ruf immer ganz oben an". Ergebnis: Viele "ruf mich nächste Woche nochmal an"-Signale, kaum Termine. Umstellung auf Directors: Binnen 30 Tagen steigt die Terminrate um 40%. Der C-Level-Kontakt wird später als Champion im Deal genutzt — nicht als erster Einstiegspunkt.

 

FAQ

 

  • F: Sollte ich C-Level dann gar nicht anrufen?
  • A: Doch — aber mit angepasster Erwartung. C-Level-Anrufe dienen dem Beziehungsaufbau und erzeugen Follow-up-Mandat nach unten. Wer direkt einen Termin buchen will, ruft Directors an.
  • F: Was ist mit Managers/Leads — lohnt sich das als Einstieg?
  • A: Für Branchen mit dezentraler Entscheidungsstruktur ja. Manager haben die höchste Erreichbarkeit (11,1% Live Rate) und können als interner Champion dienen. Das hängt stark vom Buying-Center der Zielbranche ab.




Häufige Timing-Fehler

 

Fehler 1: Täglich zwischen 9 und 11 Uhr anrufen

Die meisten SDRs tun es. Die Conversion ist die schlechteste. Lieber Nachmittag blocken.

 

Fehler 2: Freitags genauso viel anrufen wie mittwochs

Freitag hat fast die Hälfte der Terminrate von Mittwoch. Wer Freitag intensiv wählt, verschwendet Energie.

 

Fehler 3: Im Juli normale Terminziele verfolgen

Sommer senkt Meeting Rates strukturell. Wer das nicht im Team kommuniziert, erzeugt Frustration.

 

Fehler 4: Immer zuerst C-Level anrufen

C-Level bucht nicht live. Directors buchen. Die Reihenfolge im Calling Stack sollte das reflektieren.

 

Fehler 5: Nur einen Versuch pro Prospect

Per-Dial Connect Rate: 9,9%. Per-Prospect Connect Rate bei mehreren Versuchen: 24,5%. Wer nur einmal anruft, verlässt 14,6 Prozentpunkte Erreichbarkeit auf dem Tisch.

 

FAQ

 

  • F: Wie viele Anrufversuche pro Prospect sind sinnvoll?
  • A: Laut Belkins-Daten ist der Break-even-Punkt bei 3 Versuchen. Die per-Prospect Connect Rate steigt von 9,9% (1 Versuch) auf 24,5% (mehrere Versuche) — das entspricht etwa 3 Versuchen im Durchschnitt der Studie.




Fazit & nächster Schritt

 

Timing ist kein Geheimwissen. Es sind Daten, die zeigen: Mittwoch 15–16 Uhr bringt fast doppelt so viele Termine wie Freitag. Nachmittags ist besser als morgens. Directors buchen mehr als C-Level. Und drei Anrufversuche pro Prospect verdoppeln deine Erreichbarkeit.

 

Das ist keine Zauberei. Es ist strukturierte Intelligenz im Calling-Stack.

 

Dein nächster Schritt: Analysiere deinen eigenen Call-Kalender. An welchen Tagen und Uhrzeiten rufst du aktuell am meisten an? Verschiebe nächste Woche 30% deiner Dials auf Mittwoch zwischen 15 und 17 Uhr — und miss die Difference.

 

Weiterführende Artikel

Artikel 40 — Prospecting-KPIs: Die Zahlen, die wirklich zählen

Artikel 43 — Kaltakquise Benchmarks DACH: Realistische Terminquoten nach Branche