Ich sage das nicht aus der Luft gegriffen. Ich sage es, weil eine Studie mit 175.000 ausgewerteten Dials es beweist.
Freitag oder Mittwoch — gleicher Script, gleiche Liste, gleicher Verkäufer. Der Unterschied in der positiven Terminrate: fast das Doppelte. Wer Freitag anruft, arbeitet mit der halben Ausbeute.
Das ist kein kleiner Optimierungseffekt. Das ist der Unterschied zwischen 20 und 40 Terminen im Monat — bei identischer Dial-Anzahl.
Die Belkins Cold Calling Benchmarks Studie (2026) ist eine der bisher detailliertesten Auswertungen von echten Outbound-Dials. 175.000+ Anrufe, ausgewertet nach Connect Rate, Conversation Rate, Meeting Rate, Wochentag, Uhrzeit, Seniority und Geografie — darunter explizit Deutschland.
Bevor wir Timing besprechen, brauchst du den richtigen Maßstab:
Das klingt ernüchternd. Aber es ist die Baseline — nicht deine Decke. Timing, Seniority-Wahl und Sequenz-Design verschieben diese Zahlen erheblich.
Der wichtigste Engpass ist laut Belkins nicht, dass jemand abnimmt. 58% der Connects werden Gespräche. Das eigentliche Problem: nur 4,6% dieser Gespräche werden Termine. Wer mehr Termine will, muss nicht mehr anrufen — er muss besser konvertieren.
Siehe auch Artikel 40 — Prospecting-KPIs: Die Zahlen, die wirklich zählen
| Wochentag | Positive Outcome Rate |
| Mittwoch | 0,95% |
| Montag | 0,77% |
| Donnerstag | 0,72% |
| Dienstag | 0,61% |
| Freitag | 0,51% |
Mittwoch schlägt Freitag fast 2:1. Das bedeutet: Bei gleicher Dial-Anzahl und gleichem Pitch bekommst du mittwochs fast doppelt so viele Termine.
| Uhrzeit | Positive Outcome Rate |
| 15:00–16:00 Uhr | 1,05–1,22% |
| 18:00 Uhr | 1,47% (Sekundär-Peak) |
| 09:00–11:00 Uhr | 0,65–0,83% |
Die "Power Hours" morgens zwischen 9 und 11 Uhr haben das höchste Dial-Volumen — aber nicht die beste Conversion. Nachmittags ist die Qualität höher, auch wenn weniger Leute am Hörer sitzen.
Eine der überraschendsten Erkenntnisse aus der Belkins-Studie: Der Sommer ist kein Connect-Problem. Er ist ein Meeting-Problem.
Juli hatte die höchste Connect Rate des gesamten Jahres: 12,5% — aber gleichzeitig die niedrigste Meeting-Buchungsrate: 2,7%. Im Vergleich: Februar 8,9%, Mai 8,5%.
Prospects gehen in der Sommerpause ans Telefon — aber sie committen sich nicht zu Kalendereinträgen. Das bedeutet konkret für deinen Sommer:
Ein Vertriebsteam läuft im Juli mit normalen Terminzielen — und frustriert sich kollektiv, weil die Conversion trotz hoher Connect Rates einbricht. Die Lösung: Im Juli wird das Ziel von "Termin buchen" auf "qualifiziertes Gespräch führen + Follow-up vereinbaren" umgestellt. Gespräch gilt als Erfolg, wenn ein konkretes Datum für den Rückruf im Kalender steht. Ergebnis: Team-Motivation bleibt hoch, Pipeline für September wird aufgebaut.
Siehe auch Artikel 3 — Blowout: Die Follow-up-Frequenz, die Termine bringt
Nicht nur Timing und Wochentag — auch die Hierarchieebene hat massiven Einfluss:
| Seniority | Live Contact Rate | Besonderheit |
| Manager/Lead-Level | 11,1% | Höchste Erreichbarkeit |
| VPs | 7,3% | Mittlere Erreichbarkeit |
| C-Level | Keine Buchung live | Nur Follow-up via E-Mail/Phone |
| Directors | Höchste Meeting-Buchungsrate | Bestes End-Ziel für Cold Calls |
Das ist eine wichtige Verschiebung vom "Ruf immer den CEO an"-Mythos: C-Level geht zwar ans Telefon — bucht aber nie direkt einen Termin im Call. C-Level-Outcomes waren in der Studie ausnahmslos Follow-up-Anfragen via E-Mail oder Rückruf.
Directors dagegen — also Abteilungsleiter, Bereichsverantwortliche — buchen den höchsten Anteil tatsächlicher Meetings. Sie haben Entscheidungsgewalt, aber noch Erreichbarkeit. Das macht sie zum idealen First-Call-Ziel.
Ein SDR ruft ausschließlich C-Level an — weil sein Manager sagt "ruf immer ganz oben an". Ergebnis: Viele "ruf mich nächste Woche nochmal an"-Signale, kaum Termine. Umstellung auf Directors: Binnen 30 Tagen steigt die Terminrate um 40%. Der C-Level-Kontakt wird später als Champion im Deal genutzt — nicht als erster Einstiegspunkt.
Die meisten SDRs tun es. Die Conversion ist die schlechteste. Lieber Nachmittag blocken.
Freitag hat fast die Hälfte der Terminrate von Mittwoch. Wer Freitag intensiv wählt, verschwendet Energie.
Sommer senkt Meeting Rates strukturell. Wer das nicht im Team kommuniziert, erzeugt Frustration.
C-Level bucht nicht live. Directors buchen. Die Reihenfolge im Calling Stack sollte das reflektieren.
Per-Dial Connect Rate: 9,9%. Per-Prospect Connect Rate bei mehreren Versuchen: 24,5%. Wer nur einmal anruft, verlässt 14,6 Prozentpunkte Erreichbarkeit auf dem Tisch.
Timing ist kein Geheimwissen. Es sind Daten, die zeigen: Mittwoch 15–16 Uhr bringt fast doppelt so viele Termine wie Freitag. Nachmittags ist besser als morgens. Directors buchen mehr als C-Level. Und drei Anrufversuche pro Prospect verdoppeln deine Erreichbarkeit.
Das ist keine Zauberei. Es ist strukturierte Intelligenz im Calling-Stack.
Dein nächster Schritt: Analysiere deinen eigenen Call-Kalender. An welchen Tagen und Uhrzeiten rufst du aktuell am meisten an? Verschiebe nächste Woche 30% deiner Dials auf Mittwoch zwischen 15 und 17 Uhr — und miss die Difference.
Artikel 40 — Prospecting-KPIs: Die Zahlen, die wirklich zählen
Artikel 43 — Kaltakquise Benchmarks DACH: Realistische Terminquoten nach Branche