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Fragetechniken Kaltakquise Erstkontakt: Der komplette Guide

Fragetechniken Kaltakquise Erstkontakt: Der komplette Guide

Wer fragt, der führt — aber nur, wenn er die richtigen Fragen stellt.

 

"Wer fragt, der führt" — das stimmt nur bedingt. Ein Cold Call folgt anderen Regeln als ein Discovery Call. Zu viele Fragen zur falschen Zeit, und du fährst direkt gegen die Wand. Der Angerufene fühlt sich nicht verstanden — er fühlt sich verhört. Und er legt auf.

 

Ich sitze in meinem Büro. Telefon klingelt. Verkäufer X fragt mich direkt: „Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer aktuellen Lösung?" Dann: „Was ist Ihr größtes Problem in diesem Bereich?" Dann: „Was wäre Ihnen ein optimaler Anbieter wert?" Drei Fragen in neunzig Sekunden. Ich lege auf. Nicht weil die Fragen falsch waren — sondern weil der Kontext gefehlt hat. Keine Story, kein Vertrauensaufbau, kein Fundament.

 

FAQ::

  • F: Wie viele Fragen sollte ich in einem Cold Call stellen?
  • A: Maximal drei offene Fragen hintereinander ohne Bestätigungsfrage zwischendurch. Danach wirkt das Gespräch konstruiert. Plane im Vorfeld, welche Informationen du wirklich brauchst und was nur "nice to know" ist.

  • F: Was ist der Unterschied zwischen einer offenen und einer geschlossenen Frage im Vertrieb?
  • A: Offene Fragen beginnen mit "Was", "Wie", "Warum" und laden zu ausführlichen Antworten ein — ideal für Bedarfsklärung. Geschlossene Fragen führen zu Ja/Nein und eignen sich für Bestätigungen und Qualifizierung.

 

 

 

Warum das wichtig ist

 

Warum Fragetechnik im Cold Call so kritisch ist

 

Bedarfsanalyse darf nicht zur bloßen Kundeneinordnung verkommen. Statt nur zu überlegen, was wir verkaufen können, sollten wir uns auf die ehrliche Bedarfsfindung des Interessenten fokussieren. Das ist der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Gespräch.

 

Die meisten Verkäufer verwechseln Bedarfsanalyse mit Datenerhebung. Sie fragen nach Mitarbeiterzahl, Umsatz, Strukturen — Daten, die sie in Jahresberichten nachschauen könnten. Das sind keine Bedarfsfragen. Das sind Qualifizierungsfragen. Und sie gehören in die Vorabrecherche, nicht ins Gespräch. Im Gespräch geht es um: Was ist das Problem? Was kostet das? Was wäre besser?

 

Die Beziehung bestimmt, welche Fragen erlaubt sind

 

Die Beziehung bestimmt die Wahrnehmung und entscheidet, welche Fragen ich zu welchem Zeitpunkt stellen darf. Im Cold Call — wo keine Beziehung besteht — sind tiefe, persönliche Fragen sofort kontraproduktiv. Erst wenn Vertrauen aufgebaut ist, können detailliertere Fragen kommen.

 

Das ist keine Schwäche des Systems — das ist die Logik menschlicher Beziehungen. Wir öffnen uns in dem Maße, wie wir vertrauen. Je mehr Relevanz du durch deinen Einstieg und deine Geschichte aufgebaut hast, desto mehr Fragen darfst du stellen. Wir möchten als Verkäufer wissen, ob unser Gesprächspartner Interesse an unserem Angebot hat und ob er dazu in der Lage ist, mitzuentscheiden.

 

Die vier Fragentypen im Verkauf

 

Es gibt im Wesentlichen vier Typen von Fragen, die ein Sales Insider beherrscht: offene Fragen, geschlossene Fragen, hypothetische Fragen und Problemfragen. Jeder Typ hat seine Zeit, seinen Zweck und seine Wirkung. Wer sie alle beherrscht und im richtigen Moment einsetzt, kontrolliert das Gespräch — ohne dass der Kunde es merkt. Das ist keine Manipulation. Das ist Gesprächsführung.

 

FAQ::

  • F: Soll ich Fragen vorab skripten?
  • A: Nicht Wort für Wort, aber die Themen und den Ablauf. Überlege dir im Vorfeld: Welche drei Informationen brauche ich unbedingt? Dann bereite Fragen vor, die diese Informationen natürlich einbetten.

  • F: Wann stelle ich eine hypothetische Frage?
  • A: Wenn du den Kunden dazu bringen willst, sich eine Zukunft vorzustellen — die Lösung seines Problems. "Stellen Sie sich vor, das Problem wäre gelöst. Was würde das für Ihr Unternehmen bedeuten?" Das aktiviert das Wachstumsmotiv.

 

 

 

Die Lösung / Das Vorgehen

 

Schritt 1: Offene Fragen — die Bedarfs-Öffner

 

Offene Fragen beginnen mit "Was", "Wie", "Warum", "Erzählen Sie mir von...". Sie laden zu ausführlichen Antworten ein und zeigen dem Kunden: Ich höre zu. Ich interessiere mich. Im Cold Call setzt du sie nach der einleitenden Story ein, um die Lücke zu erkunden. Klassiker: „Wie handhaben Sie das Thema XY momentan?" oder „Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung in diesem Bereich?" Dann: Klappe halten. Wirklich zuhören.

 

Praxisbeispiel

Frank stellt nach seiner kurzen Branchenstory die offene Frage: „Wie läuft das aktuell bei Ihnen ab?" Der Einkaufsleiter antwortet zehn Minuten. Frank macht Notizen. Am Ende weiß er alles, was er braucht — ohne ein einziges Feature genannt zu haben.

 

Schritt 2: Hypothetische Fragen — die Zukunfts-Öffner

 

Hypothetische Fragen laden den Kunden ein, sich die Lösung seines Problems vorzustellen. Sie aktivieren das Wachstumsmotiv und erzeugen positive Spannung: „Wenn Sie dieses Problem lösen könnten — was würde das für Ihre Teamleistung bedeuten?" Oder: „Stellen Sie sich vor, der Prozess würde halb so lang dauern. Was wäre dann möglich?" Diese Fragen verschieben die Perspektive. Der Kunde denkt nicht mehr über das Problem nach — sondern über die Möglichkeit.

 

Praxisbeispiel

Lisa fragt nach der Bedarfsklärung: „Angenommen, Sie könnten die Bearbeitungszeit um 60 Prozent reduzieren — welchen Einfluss hätte das auf Ihr Team?" Der Vertriebsleiter denkt kurz nach. „Das wäre... erheblich. Wir könnten vier weitere Großkunden betreuen ohne zusätzliches Personal." Lisa: „Genau das war das Ergebnis bei unserem letzten Kunden in dieser Situation."

 

Schritt 3: Problemfragen — die Lücken-Vertieferer

 

Problemfragen helfen dir, den Schmerz zu konkretisieren. „Was passiert bei Ihnen, wenn dieser Prozess ausfällt?" „Wie viel Aufwand entsteht dadurch monatlich?" „Welchen Einfluss hat das auf Ihren Jahresplan?" Diese Fragen sind nicht dazu da, den Kunden zu demontieren — sie helfen, die Auswirkungen eines Problems zu quantifizieren. Und Quantifizierung erzeugt Handlungsdruck. Denn ein Problem ohne bekannte Kosten wird selten zur Priorität.

 

Praxisbeispiel

Stefan fragt: „Was kostet Sie dieser manuelle Prozess, wenn Sie ihn auf das Jahr hochrechnen — an Stunden und an direkten Kosten?" Der CFO schweigt kurz, rechnet, dann: „Ich habe das noch nie so durchgerechnet. Aber das sind wahrscheinlich... rund 80.000 Euro." Stille. Stefan: „Wie hoch wäre Ihre Bereitschaft, das zu lösen, wenn die Investition bei einem Bruchteil davon liegt?"

 

FAQ::

  • F: Wie gehe ich vor, wenn der Kunde meine Frage nicht beantwortet?
  • A: Reformuliere sie. Wechsle von einer direkten Frage zu einer hypothetischen: "Stellen Sie sich vor, XY wäre ein Thema bei Ihnen — wie würden Sie damit umgehen?" Das gibt dem Kunden mehr Spielraum und reduziert die Abwehr.

  • F: Darf ich Fragen zur Entscheidungsbefugnis stellen?
  • A: Ja — aber taktvoll. Nicht: "Sind Sie der Entscheider?" Sondern: "Wie treffen Sie solche Entscheidungen normalerweise in Ihrem Unternehmen?" Das gibt dir die gleiche Information, ohne übergriffig zu wirken.

 

 

 

Häufige Fehler

 

Fehler 1: Zu viele Fragen auf einmal

Mehr als drei offene Fragen hintereinander ohne Bestätigungsfrage wirken konstruiert. Der Kunde fühlt sich wie in einem Verhör. Verteile Fragen auf den Gesprächsverlauf.

 

Fehler 2: Fragen stellen, ohne wirklich zuzuhören

Du stellst eine offene Frage — und während der Kunde antwortet, denkst du bereits an deine nächste Frage. Ergebnis: Du verpasst die wichtigsten Informationen. Höre zuerst zu. Die nächste Frage ergibt sich aus der Antwort.

 

Fehler 3: Suggestivfragen zu früh einsetzen

"Sie stimmen mir doch sicherlich zu, dass...?" — das funktioniert nur am Ende des Gesprächs, um Zustimmung zu festigen. Zu früh eingesetzt wirkt es manipulativ. Und Manipulation spürt man.

 

FAQ::

  • F: Gibt es Fragen, die ich im Cold Call grundsätzlich vermeiden sollte?
  • A: Ja: Fragen, die du dir durch Recherche selbst hättest beantworten können. Sie signalisieren: Ich kenne dein Unternehmen nicht, ich habe mich nicht vorbereitet. Recherchiere vorab — dann bleibst du auf Augenhöhe.

 

 

 

Fazit & nächster Schritt

 

Fragetechnik ist das wichtigste Handwerk im Vertrieb — und das am wenigsten trainierte. Wer die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt stellt, führt Gespräche, die zu echtem Bedarf und echter Kaufbereitschaft führen. Dein nächster Schritt: Wähle drei Fragen aus diesem Artikel und integriere sie in deinen nächsten Cold Call. Nicht alle auf einmal — eine offene, eine hypothetische, eine Problemfrage.

 

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