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3 min read

GROW-Modell im Vertriebscoaching: Selbstständigkeit statt Abhängigkeit

GROW-Modell im Vertriebscoaching: Selbstständigkeit statt Abhängigkeit

Die meisten Vertriebsleiter coachen ihre Reps nicht. Sie verwalten sie.

 

Das ist ein harter Satz. Aber er beschreibt ein reales Muster.

 

Wenn ich Vertriebsleiter frage, wie ihre 1:1-Meetings aussehen, bekomme ich fast immer dieselbe Antwort: Pipeline-Status, Deal-Updates, Forecast. Was fehlt: eine einzige Frage, die auf die Fähigkeit des Verkäufers zielt — nicht auf den Stand des Deals.

 

Die Folge? Reps werden abhängig. Sie kommen mit jedem schwierigen Gespräch zum Manager. Und der Manager verliert mehr und mehr Zeit damit, operative Feuerwehr zu spielen, statt sein Team zu entwickeln.

 

Das GROW-Modell ist der strukturelle Gegenentwurf. Laut Sendspark Sales Leadership Coaching Playbook (2026) erzielen Sales-Führungskräfte, die konsequent coachen, 19% höhere Win Rates — und High-Performing-Teams sind 2,8-mal wahrscheinlicher, Manager zu haben, die mehr als 20% ihrer Zeit mit Coaching verbringen.

 

FAQ
  • F: Was bedeutet GROW im Vertriebscoaching?
  • A: GROW steht für Goal (Ziel), Reality (aktuelle Situation), Options (Optionen) und Will (Umsetzungswille / nächster Schritt). Es ist das am häufigsten eingesetzte Coaching-Framework für strukturierte 1:1s im Vertrieb — weil es gleichzeitig strukturiert und flexibel ist und die Selbstständigkeit des Reps fördert statt Abhängigkeit vom Manager aufzubauen.
  • F: Warum ist GROW besser als direkte Ratschläge geben?
  • A: Weil Reps Lösungen, zu denen sie selbst gelangt sind, deutlich häufiger umsetzen als solche, die ihnen aufgezwungen wurden. GROW verschiebt die Machtdynamik vom "ich sage dir, was du tun sollst" zum "was denkst du, was hier passiert ist?" Das Ergebnis: selbstdiagnosefähige Reps, die sich ohne den Manager verbessern können.




Was GROW ist — und was es nicht ist

 

GROW ist kein Therapie-Framework. Es ist kein Kuschelgespräch. Es ist eine Struktur für Entwicklungsgespräche, die konkrete Ergebnisse produziert — einen Aktionsplan, dem der Rep selbst committed ist.

 

Der Unterschied zu Pipeline-Reviews: In einem Pipeline-Review stellt der Manager Fragen über Deals. In einem GROW-Coaching-Gespräch stellt der Manager Fragen über Fähigkeiten — und nutzt aktuelle Deals nur als Kontext, nicht als Hauptthema.

 

Die vier Phasen — mit konkreten Fragen

 

Goal — Was willst du erreichen?

Nicht "Wie läuft der Deal?" sondern: *"Was willst du in deinem nächsten Discovery Call konkret erreichen?"*

 

Die Frage zwingt den Rep, das Gesprächsziel selbst zu formulieren — was bereits die erste Coaching-Wirkung entfaltet.

 

Reality — Was passiert gerade wirklich?

*"Was passiert in deinen Calls aktuell? Was steht im Weg?"*

 

Hier geht es nicht um Ausreden. Es geht darum, die aktuelle Situation ehrlich zu beschreiben — was läuft gut, was nicht, welche Muster sich wiederholen. Der Coach hört zu, ohne sofort Lösungen anzubieten.

 

Options — Welche Möglichkeiten gibt es?

*"Was wären drei verschiedene Wege, wie du das angehen könntest?"*

 

Drei. Nicht einer. Das ist entscheidend: Die Pluralform erzwingt kreatives Denken und verhindert, dass der Rep beim erstbesten Lösungsansatz aufhört. Der Manager fügt eigene Ideen erst hinzu, wenn der Rep erschöpft ist.

 

Will — Was wirst du konkret tun?

*"Für welche Option entscheidest du dich? Wie sieht das bis Freitag konkret aus?"*

 

Ohne konkretes Commitment endet das Gespräch als "gutes Gespräch" — ohne Verhaltensänderung. Die Will-Phase macht den Unterschied zwischen Coaching und Gespräch.

 

Artikel 12 — Vertriebsleiter als Coach: So führst du dein Team zum Erfolg

 

FAQ
  • F: Wie lange dauert eine GROW-Coaching-Session im Vertrieb?
  • A: 30 Minuten pro Rep, einmal pro Woche — das ist die Benchmark mit dem besten Ergebnis laut aktueller Forschung (RAIN Group, Salesforce). Diese Zeit ist ausschließlich für Skill-Entwicklung reserviert — keine Pipeline-Reviews. Das Ergebnis: konsistentes Coaching ohne Mehraufwand.
  • F: Kann ich GROW auch für Einwandbehandlung oder Call-Debriefs nutzen?
  • A: Ja — GROW ist für alle Coaching-Situationen geeignet, in denen Skill-Entwicklung im Vordergrund steht. Für spezifisches Call-Feedback eignet sich zusätzlich das SBI-Framework (Situation, Behavior, Impact), das konkrete Beobachtungen mit Wirkung verknüpft. Profi-Tipp laut Sendspark: GROW für strukturierte 1:1s, SBI für Call-Debriefs, SPIN für Call-Reviews.




Die Coaching-Cadence, die funktioniert

 

GROW ist das Gespräch. Aber Coaching braucht eine Struktur — eine Cadence —, die sicherstellt, dass das Gespräch auch stattfindet. Konsistenz schlägt Intensität.

 

Die drei Ebenen

 

Wöchentliche 30-Minuten-1:1s:

GROW-strukturiert. Ausschließlich Skill-Entwicklung. Aktuelle Deals dienen als Kontext, nicht als Hauptthema. Dieser Termin ist unverschiebbar.

 

Monatliches Gruppen-Coaching (60–90 Minuten):

Muster, die im gesamten Team auftreten, werden adressiert. Anonymisierte Call-Aufnahmen werden besprochen. Rollenspiel-Übungen werden durchgeführt. Diese Session skaliert das, was in 1:1s gelernt wurde, auf das gesamte Team.

 

Quartalsmäßige Skill-Deep-Dives (halber Tag):

Ein Skill wird ausgewählt — Discovery, Preisverhandlung, Einwandbehandlung — und intensiv bearbeitet mit strukturiertem Training, Coaching und Praxis. Diese Sessions werden zu Beginn jedes Quartals im Kalender blockiert.

 

Praxisbeispiel

Ich habe mit einem Vertriebsleiter eines mittelständischen Software-Unternehmens gearbeitet, der bisher ausschließlich Pipeline-Reviews als 1:1-Format kannte. Nach der Einführung der GROW-Cadence — wöchentliche 30-Minuten-1:1s, monatliche Gruppenession — beschrieb er nach sechs Wochen den Unterschied so: "Früher kamen meine Reps mit Problemen zu mir. Jetzt kommen sie mit Lösungsvorschlägen und wollen nur noch, dass ich den besten auswähle."

 

Artikel 6 — Sales Coaching vs. Sales Training: Was wann hilft

 

FAQ
  • F: Wie priorisiere ich, welche Reps ich intensiver coache?
  • A: Priorisiere die 50.–75.-Perzentile deines Teams — nicht die Top-Performer, nicht die Underperformer. Diese Gruppe hat das größte Potenzial für schnelle Win-Rate-Verbesserungen. Top-Performer benötigen Karriereentwicklungs-Gespräche, keine Skill-Coachings. Underperformer benötigen ggf. Performance-Management-Gespräche.
  • F: Was tue ich, wenn ein Rep keine Lösungen formulieren kann in der Options-Phase?
  • A: Probe mit offenen Fragen: "Was hast du in anderen schwierigen Gesprächen gemacht?" oder "Was würde dein erfahrenster Kollege in dieser Situation tun?" Erst wenn der Rep wirklich keine Optionen findet, bietet der Manager eigene Ideen an — als Ergänzung, nicht als Ersatz.




Die 5 häufigsten GROW-Fehler im Vertriebscoaching

 

Fehler 1: Deals statt Skills coachen {#fehler-1}

"Wie läuft der Deal mit XY?" ist kein Coaching-Gespräch. Es ist ein Statusupdate. GROW funktioniert nur, wenn das Thema eine Fähigkeit ist — wie Discovery-Fragen stellen, wie Einwände behandeln, wie mit schweigenden Entscheidern umgehen. Der Deal ist der Kontext. Die Fähigkeit ist das Thema.

 

Fehler 2: Nur Top-Performer oder Underperformer coachen {#fehler-2}

Top-Performer brauchen Karrieregespräche. Underperformer brauchen oft Performance-Management. Den größten ROI aus GROW-Coaching erzielst du mit den Reps in der Mitte — 50.–75. Perzentile. Diese Gruppe ist am formbarsten und zeigt die schnellsten messbaren Verbesserungen.

 

Fehler 3: 1:1s regelmäßig verschieben {#fehler-3}

Jedes verschobene Coaching-Gespräch sendet ein klares Signal: Pipeline-Reviews haben Vorrang. Reps merken das — und hören auf, Coaching als wertvoll zu betrachten. "Unverschiebbar" muss ernst gemeint sein.

 

Fehler 4: Vages Feedback ohne SBI {#fehler-4}

"Du könntest mehr offene Fragen stellen" ist kein Feedback. "In der Discovery-Phase bei deinem letzten Call (Situation) hast du drei geschlossene Fragen hintereinander gestellt (Behavior) — der Gesprächspartner wurde einsilbig und du hast die Kontrolle verloren (Impact)" — das ist Feedback. GROW-Coaching kombiniert mit SBI-Feedback ist das stärkste Entwicklungswerkzeug im Vertrieb.

 

Fehler 5: Will-Phase überspringen {#fehler-5}

Ein GROW-Gespräch, das ohne konkretes Commitment endet, ist ein gutes Gespräch — kein Coaching. Die Will-Phase ist nicht optional. Sie ist das, was das Gespräch in Verhaltensänderung verwandelt. "Welche Option wählst du — und was genau machst du bis wann?"

 

FAQ
  • F: Wie messe ich, ob GROW-Coaching wirkt?
  • A: Führende Indikatoren (60–90 Tage vor Wirkung auf den Umsatz): Coaching-Scorecard-Werte über Zeit, Call-Qualitätsbewertungen, Selbsteinschätzung der Reps. Nachlaufende Indikatoren: Win Rate pro Rep, Ramp-Zeit neuer Mitarbeiter, durchschnittliche Deal-Größe, Pipeline-Stage-Konversionsraten. Regel: Wenn du die Linie zwischen Coaching-Input und Umsatz-Output nicht ziehen kannst, fehlt dir eine Messung.
  • F: Wie viel Zeit brauche ich als Vertriebsleiter für GROW-Coaching pro Woche?
  • A: Bei acht Reps: 8 × 30 Minuten = 4 Stunden pro Woche für 1:1s. Laut RAIN Group erzielen Manager, die 3+ Stunden pro Woche coachen, 94% Quota-Attainment in ihren Teams. Hochperformende Teams haben Manager, die mehr als 20% ihrer Zeit coachen (Salesforce).




Fazit & nächster Schritt

 

GROW ist nicht das einzige Coaching-Framework. Aber es ist das, das am zuverlässigsten Selbstständigkeit aufbaut — weil Reps Lösungen, die sie selbst erarbeitet haben, tatsächlich umsetzen.

 

Der Unterschied zwischen einem Team, das auf den Manager wartet, und einem Team, das sich selbst verbessert, ist eine Frage. Nicht "Was soll ich tun?" — sondern "Was denkst du, was hier passiert ist?"

 

Weiterführende Artikel

Artikel 12 — Vertriebsleiter als Coach: So führst du dein Team zum Erfolg

Artikel 6 — Sales Coaching vs. Sales Training: Was wann hilft

Artikel 5 — Einwandtraining: So übst du Einwandbehandlung im Team

Artikel 2 — Vertriebstraining ROI: So misst du den Erfolg einer Schulung

 

Dein nächster Schritt: Nimm dein nächstes 1:1-Meeting und ersetze die erste Pipeline-Frage durch eine GROW-Frage: "Was willst du in deinem nächsten schwierigen Gespräch konkret besser machen?" Beobachte die Reaktion. Wenn der Rep zögert, ist das der Beweis, wie ungewohnt Skill-Coaching noch ist — und wie viel Potenzial noch liegt.



Quellen
  • Sendspark — Sales Leadership Coaching: Manager's Playbook (2026) — GROW-Framework, Coaching-Cadence, 19% Win Rate, 2,8x High-Performer-Manager, SBI-Kombination, Juli 2026
  • RAIN Group — Einflussfaktor Coaching auf Win Rate — Konsistentes Coaching führt zu 19% höheren Win Rates
  • Salesforce — State of Sales Report — High-Performing Teams haben Manager mit 20%+ Coaching-Zeit-Anteil



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