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Warum Mailbox-Nachrichten im Cold Call meist schaden

Warum Mailbox-Nachrichten im Cold Call meist schaden

Du hinterlässt eine Nachricht. Der Kunde ruft nie zurück. Warum?

 

"Sieben Mailbox-Nachrichten, auf die euer Gesprächspartner garantiert zurückruft!" — diesen Tipp kennst du. Ich kenne ihn auch. Ich habe ihn ausprobiert. Alle haben ihn ausprobiert. Und die Wahrheit ist: Er funktioniert nicht. Nicht bei Erstkontakten. Nicht im Cold Call. Fast nie. Stattdessen gibt es einen guten Grund, warum du dein Überraschungsmoment nicht freiwillig aufgeben solltest.

 

Hey, angehender Sales Insider! In diesem Artikel erkläre ich dir, warum Voicemail im Cold Call meist kontraproduktiv ist, was psychologisch dahinter steckt und was du stattdessen tust.

 

FAQ::

  • F: Warum rufen Kunden auf Voicemails fast nie zurück?
  • A: Weil die Nachricht ankündigt, dass es sich um einen Verkäufer handelt. Der Überraschungseffekt ist weg. Der Kunde weiß, wer angerufen hat und warum — und entscheidet sich bewusst gegen den Rückruf.

  • F: Wann ist eine Voicemail in der Kaltakquise sinnvoll?
  • A: Bei bekannten Kunden oder als Instrument, um eine E-Mail-Kommunikation zu etablieren. Im Erstkontakt hingegen fast nie — außer in der spezifischen Voice-to-Email-Sequenz (Artikel 8).

 

 

 

Warum das wichtig ist

 

Das Überraschungsmoment — dein unsichtbares Asset

 

Im Cold Call hast du ein entscheidendes Gut: das Überraschungsmoment. Der Entscheider weiß nicht, dass du anrufst. Er hat keine Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Er hat keine Gegenargumente bereit. Er befindet sich im Hier und Jetzt des Gesprächs. Das ist deine Stärke. Die meisten Sales-Gespräche kommen zustande, weil der Entscheider im Moment des Anrufs einfach abgenommen hat — und du das Gespräch geführt hast.

 

Wenn du eine Mailbox-Nachricht hinterlässt, zerstörst du dieses Asset. Der Entscheider hört deine Nachricht. Er hört deinen Namen. Er hört deinen Firmennamen. Er hört, worum es geht. Und dann entscheidet er: Rückruf oder nicht? Die Antwort ist fast immer: nicht. Weil er nun die Möglichkeit hatte, sich zu positionieren — und er entscheidet sich für Ablehnung, ohne ein echtes Gespräch geführt zu haben.

 

Psychologie des Nicht-Rückrufs — warum Kunden nie zurückrufen

 

Es ist kein Vergessen. Es ist eine Entscheidung. Wenn ein Entscheider eine Voicemail von einem unbekannten Verkäufer hört, nimmt er sich eine Sekunde Zeit — und beschließt, dass das gerade keine Priorität hat. Das war's. Dein Anruf landet mental in der Schublade "später" — und "später" kommt nie. In der Welt von WhatsApp und sofortiger Kommunikation sind Mailbox-Nachrichten so selten geworden, dass man sie tatsächlich abhört. Aber das bedeutet nicht, dass man darauf reagiert. Besonders dann nicht, wenn der Inhalt nach Sales riecht.

 

Hinzukommt: Du rufst erneut an — und der Kunde weiß jetzt, wer du bist. Er ist nun gewarnt. Das Gespräch ist schwieriger als es wäre, wenn du einfach erneut angerufen hättest. Die Voicemail hat dir also nicht geholfen — sie hat die Situation aktiv verschlechtert.

 

Wann Voicemail sinnvoll ist — die echten Ausnahmen

 

Es gibt zwei Situationen, in denen Voicemail Sinn macht. Erstens bei bekannten Kunden — also bei Menschen, die dich kennen, die dir wohlgesonnen sind und die einen Anruf von dir als positiv erleben. Bei denen ist eine kurze Nachricht — "Hallo Herr Müller, ich wollte kurz hören, wie es läuft — rufen Sie mich kurz zurück?" — vollkommen in Ordnung. Zweitens als Instrument, um eine E-Mail-Kommunikation zu etablieren. Das ist die Voice-to-Email-Sequenz, die in Artikel 8 ausführlich beschrieben wird.

 

FAQ::

  • F: Was ist, wenn der Entscheider nie abhebt — soll ich dann gar nichts hinterlassen?
  • A: Genau. Leg auf. Ruf zu einem anderen Zeitpunkt an. Probiere andere Kanäle — Morgens früher, nach 17 Uhr, oder nutze LinkedIn für den Erstkontakt. Aber hinterlasse keine generische Voicemail.

  • F: Ist es besser, gar nicht anzurufen als eine schlechte Voicemail zu hinterlassen?
  • A: Ja. Der verpasste Anruf hinterlässt keine Spuren. Die schlechte Voicemail lässt den Kunden gewappnet zurück.

 

 

 

Die Lösung / Das Vorgehen

 

Schritt 1: Entscheide bewusst — Nachricht oder kein Nachricht?

 

Bevor du auf die rote Taste drückst, stelle dir drei Fragen. Kenne ich diesen Kunden persönlich? Hat er mich schon einmal positiv wahrgenommen? Ist das Ziel dieser Nachricht, eine E-Mail zu etablieren — nicht ein Rückruf? Wenn du alle drei mit Nein beantwortest: Leg auf. Ruf später wieder an. Das ist keine Niederlage — das ist strategische Ressourcennutzung.

 

Praxisbeispiel

Lars, Inside Sales bei einem SaaS-Unternehmen, ruft Frau Bergmann das dritte Mal an. Voicemail. Er legt auf. Vermerkt im CRM: "Versucht 08:30, 11:00, 14:15 — kein Kontakt." Plant nächsten Versuch für Dienstag 8 Uhr früh. Beim vierten Versuch nimmt Frau Bergmann ab. Das Gespräch beginnt frisch — ohne Vorwarnung, ohne Gegenargumente. Lars qualifiziert sie in vier Minuten.

 

Schritt 2: Den Kanalwechsel als Alternative zur Voicemail nutzen

 

Wenn du den Entscheider mehrfach nicht erreichst, ist der Kanalwechsel deine beste Alternative zur Voicemail. Nicht immer mehr anrufen — das erzeugt Frustration auf beiden Seiten. Stattdessen: LinkedIn-Kontaktanfrage mit kurzer, relevanter Nachricht. E-Mail direkt an den Entscheider (wenn du die Adresse hast). Morgen- oder Abendanruf — viele Entscheider sind vor 8 Uhr oder nach 17 Uhr ohne Filter erreichbar. Empfehlung durch einen gemeinsamen Kontakt. Der Kanalwechsel ist oft effektiver als die zehnte Voicemail.

 

Praxisbeispiel

Nach drei erfolglosen Anrufen ohne Voicemail wechselt Sandra den Kanal. LinkedIn-Anfrage mit Nachricht: "Herr Becker, ich versuche Sie bereits mehrfach telefonisch zu erreichen — ohne Erfolg. Mein Thema könnte für Ihre Q3-Planung relevant sein. Hätten Sie kurz Zeit für eine Rückmeldung?" Zwei Tage später nimmt Herr Becker die Anfrage an. Und antwortet.

 

Schritt 3: Voicemail strategisch bei bekannten Kontakten einsetzen

 

Bei bestehenden Kundenbeziehungen oder warmen Kontakten ist Voicemail ein legitimes Tool. Kurz, persönlich, und mit einer klaren nächsten Aktion. Nicht: "Ich wollte mich kurz melden und fragen, ob..." Sondern: "Herr Müller, ich habe gute Neuigkeiten bezüglich unseres letzten Gesprächs. Rufen Sie mich kurz zurück — dauert nur zwei Minuten." Der Unterschied: Der Kunde kennt dich. Er hat ein Warum für den Rückruf. Und die Nachricht ist kurz und konkret.

 

Praxisbeispiel

Tom, Key Account Manager, ruft seinen Bestandskunden Herrn Weber an:

 

"Herr Weber, Tom Meyer. Kurze Info: Wir haben das Update, das Sie angefragt haben. Rufen Sie mich kurz zurück — ich erkläre alles in zwei Minuten. Danke!"

Herr Weber ruft zwanzig Minuten später zurück.

 

FAQ::

  • F: Wie oft darf man anrufen, ohne eine Nachricht zu hinterlassen?
  • A: Solange du es nicht übertreibst, kannst du 4–6 Mal ohne Voicemail versuchen. Variere die Uhrzeiten. Variiere den Wochentag. Erst dann prüfe, ob ein Kanalwechsel oder die Voice-to-Email-Sequenz Sinn macht.

  • F: Was tue ich, wenn die Telefonzentrale mich fragt, ob ich eine Nachricht hinterlassen möchte?
  • A: "Nein danke, ich versuche es später noch einmal." Einfach, freundlich, ohne Erklärung.

 

 

 

Häufige Fehler

 

Fehler 1: Einen kompletten Mini-Pitch auf die Voicemail sprechen

Du erklärst Produkt, Vorteile, Preise — alles. Der Kunde weiß jetzt genug, um Nein zu sagen. Das Überraschungsmoment ist verbrannt. Nie.

 

Fehler 2: Voicemail als "hat zumindest jemanden informiert" werten

Im CRM steht "Nachricht hinterlassen". Das fühlt sich wie Aktivität an — ist aber kein Fortschritt. Follow-up ohne Reaktion ist kein Follow-up.

 

Fehler 3: Mehrere Voicemails beim selben Kontakt hinterlassen

Nach der zweiten Nachricht ohne Rückruf weiß der Kunde, wer du bist — und hat sich dagegen entschieden. Weitere Nachrichten sind Spam. Kanal wechseln.

 

FAQ::

  • F: Gibt es eine Faustregel, wann man eine Voicemail hinterlässt?
  • A: Nur dann, wenn der Kontakt dich kennt oder wenn du eine E-Mail ankündigen willst (Voice-to-Email-Sequenz). Im Kaltakquise-Erstkontakt: nie.

 

 

 

Fazit & nächster Schritt

 

Das Überraschungsmoment ist dein unsichtbares Asset. Gib es nicht freiwillig auf. Voicemail im Cold Call kostet mehr als sie bringt — es sei denn, du nutzt sie gezielt für die Voice-to-Email-Sequenz oder bei bekannten Kontakten. Wechsle stattdessen den Kanal. Ruf zu ungewöhnlichen Zeiten an. Bleib hartnäckig — aber klug.

 

Dein nächster Schritt:: Überprüfe dein CRM heute. Wie viele Voicemails hast du hinterlassen, ohne Rückruf erhalten zu haben? Streiche diese Taktik aus deinem Standard-Follow-up. Ersetze sie durch Kanalwechsel oder die Voice-to-Email-Sequenz aus Artikel 8.

 

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